Höchster Kreisblatt

Seltenes Vergnügen: "Il Turco in Italia"

Was es dort zu hören und zu sehen gab, war ein seltenes Vergnügen. Auf dem Programm stand die konzertante Aufführung von Gioachino Rossinis komischer Oper «Il Turco in Italia» (Der Türke in Italien) von 1814, einem relativ frühen und unbekannten Werk des berühmten Opernkomponisten.

Allen voran zeigte Hans-Georg Dechange (Bass) als Selim nicht nur eine tolle sängerische Leistung, auch seine großen Gesten, mit denen er den reichen, orientalischen Fürsten und Verführer zum Leben erweckte, verfehlten ihre Wirkung beim Publikum nicht. Eine gleichwertige Partnerin gab die Sopranistin Katja Bördner als Fiorilla ab. sie meisterte die anspruchsvollen Koloraturen in ihrer furiosen Auftrittsarie im ersten Akt brillant und animierte in den verschiedenen Ensembles die Zuhörer zu Bravo-Rufen – hoffentlich wird von ihr noch mehr zu hören sein.

Alexandra Gießler (Mezzosopran) glänzte in der Rolle der Zaida und sie hatte vor allem die gelungene szenische Leitung der Aufführung. Ebenso fügten sich Tom Frinta (Bassbariton) als Don Geronio und Fred Hoffmann (Tenor) als Don Narciso gut in das Ensemble ein. Sie wurden unterstützt durch Marc Nellen (Bariton) als Prosdocimo und Patrick Vogel (Tenor) als Albazar, dem Diener Zaidas. Die Chorpassagen wurden vom KammerChor Hofheim übernommen, der von seinem Leiter Hans-Georg Dechange darauf bestens vorbereitet war und ebenfalls überzeugen konnte.

Das Ganze hatte den Charakter einer «Kammeroper», was Gioachino Rossini, der in seinen späten Jahren ein Freund der Salonmusik war, sicher sehr gefallen hätte. Schade, dass es nicht mehr Leute miterlebt haben, solche Angebote sind selten. Aber schön, dass es sie gibt.
 

Hofheimer Zeitung

Wenn Amor trefflich trifft - Umjubelte Aufführung von Rossini-Oper

Die Oper ist eine Replik Rossinis auf die Orientmode in Europa. Geschickt wird hier verkehrt, was etwa in Mozarts "Entführung aus dem Serail" noch andersherum war: Bei Rossini trifft ein Morgenländer auf Mitteleuropa und nicht andersherum. Dramatik, Witz - und das konzertant ohne großes "Getöse"? Die Aufführung der Oper in Hofheim schaffte diese Gradwanderung, obwohl bei der Oper die Würze nicht gerade in der Kürze liegt, spielerisch. Durch sparsame doch gelungene Kostümierung und niemals überzogene aber stets treffende Gestik und Mimik wurde das Ganze neben stimmlicher Brillanz illustrativ.

Überragend Katja Bördner, Sopran, als Donna Fiorilla und Hans-Georg Dechange, Bass, als türkischer Fürst "Selim". Katja Bördner begeisterte nicht nur mit mühelos, ja mit präziser Leichtigkeit vorgetragenen Koloraturen, die das Publikum immer wieder zu spontanen Bravo-Rufen hinrissen. Doch auch die anderen Personen des Stücks waren unter anderem mit Tom Frinta, Bassbariton, als gehörnten Ehemann Don Geronio, oder Alexandra Gießler, Mezzosopran, als Sterndeuterin Zaida, sowohl vom Timbre als auch vom Typ her perfekt besetzt.

Es muss nicht immer Frankfurt oder Wiesbaden sein - doch das haben anscheinend noch nicht genug Hofheimer eingesehen. Die Ränge hätten voller sein können, aber vielleicht ändert sich das in einem der nächsten immer wieder hochkarätigen Konzerte.

Krifteler Nachrichten

“Il Turco in Italia”: Herausragende Kriftel/Hofheimer Co-Produktion

Was auf den ersten Blick puristisch und spartanisch daherkommt, geriet vor wenigen Tagen in der Stadthalle Hofheim zum beglückenden, intensiven und kammermusikalischen Opernereignis. Wer hinter der von der Krifteler Isis Concert Group und der Musikschule Hofheim präsentierten konzertanten Aufführung gleichsam ein stocksteifes Oratorium in unverständlichem Italienisch erwartet hatte, sah sich angenehm überrascht. Die Solisten, allen voran die exzellente Katja Bördner als Donna Fiorilla und Hans-Georg Dechange als Selim, würzten ihren Vortrag mit der richtigen Dosis szenischer Elemente. Sprecher Berthold Mann-Vetter moderierte die einzelnen Szenen mit trockenem Humor an und hielt die Zuschauer, ebenso wie die Übertitel in deutscher Sprache, stets auf der Höhe des Geschehens. Auch mit der dezenten, aber effektvollen Kostümierung setzte sich „Il Turco“ wohltuend vom bierernsten Einerlei des konventionellen Konzertbetriebs ab.

Zur darstellerischen Leistung passte das durchgängig hohe musikalische Niveau. Dass die Krifteler Isis-Akteure mit der „Glut der Leidenschaft“ musizieren, ist hiesigen Konzertbesuchern bestens bekannt. Tenor Fred Hoffmann (Don Narciso) und Mezzosopranistin Alexandra Gießler (Zaida), gerade noch in St. Vitus mit Elias unter dem Wacholderbaum, glänzten genauso wie Tom Frinta als verschnarchter Ehemann Don Geronio, Patrick Vogel als Albazar und Marc Nellen als Prosdocimo. Der von Dechange mal wieder bestens einstudierte KammerChor Hofheim setzte als „Chor der Türken und Zigeunerinnen“ ein weiteres Glanzlicht - und bestätigte einmal mehr seine Ausnahmestellung in unserer Region. Der schlanke und ausdrucksstarke Gesang ergänzte sich aufs Beste mit der Begleitung durch zwei Klaviere, ohne Fehl und Tadel gespielt vom musikalischen Leiter Jürgen Schmidt und Katrin Heyland.

Alles in allem war der „Turco“ eine echte Bereicherung, der noch ein weitaus größeres Publikum verdient hätte. Aber es muss sich wohl erst herumsprechen, dass eine solche konzertante Aufführung ihre unverwechselbaren Qualitäten hat.